Sneak Peak "The Devil's Desire"

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Auszug aus Kapitel 1

Piper

 

Plötzlich kribbelt es in meinem Nacken und als ich verstohlen den Kopf ein wenig zur Seite drehe, nehme ich den Grund für meine körperliche Reaktion wahr. Scott steht etwa drei Meter von uns entfernt und unterhält sich mit irgendeinem Gesangssternchen, das ich am liebsten auf der Stelle zum Mond schießen möchte. Er lacht über etwas, das sie gesagt hat, dabei streift sein Blick durch die Eingangshalle und bleibt an mir hängen. Als er lächelt und mir zuzwinkert, stockt mein Herz für mehrere Schläge und meine Atmung setzt ebenfalls kurz aus. Danach galoppiert mir mein Puls davon, dazu atme ich so hektisch ein und aus, als hätte ich mal wieder eines dieser unsäglichen Fitnessvideos nachtrainiert, um ein paar Pfunde zu verlieren.

 

»Wie läuft es denn mit deinem Praktikum?«, höre ich Sienna wie aus weiter Ferne fragen.

 

Ich blinzele, um den Blickkontakt mit Scott zu unterbrechen.

 

Die Intensität, mit der er mich mustert, bringt mich aus dem Takt, dass ein Mann seines Kalibers Interesse an mir zeigt, ist ungewohnt für mich.

 

Oder wünsche ich mir das bloß und er ist einfach nur freundlich?

 

Letztlich verbindet uns nichts, wir sind uns auf dem Abschlusskonzert von Rising Phoenix über den Weg gelaufen, da haben wir aber nicht mal miteinander geredet. Danach bei meinem Vorstellungsgespräch im Tonstudio, in dem ich inzwischen mein Praktikum mache, doch dort haben wir nur ein paar Sätze gewechselt. Unwillkürlich runzele ich verärgert die Stirn, dass die Presse aus diesem Treffen so ein Riesending gemacht hat, war mal wieder typisch. Scott hat über etwas gescherzt, darüber habe ich gelacht, mehr war da nicht. Na ja, dass mein Bruder Saint so selten dämlich auf die Frage des Music-Dreams-Journalisten reagiert hat, dürfte sein Übriges dazu getan haben.

 

»Piper?«, spricht mich Sienna erneut an und endlich konzentriere ich mich wieder auf sie.

 

»Ähm … es läuft super«, antworte ich lahm, während ich das Gefühl habe, dass Scott mich nach wie vor ansieht. Als ich kurz zur Seite schiele, bekomme ich die visuelle Bestätigung für meine Annahme und mir wird heiß.

 

Doch plötzlich taucht Saint neben ihm auf und sieht währenddessen zu mir, was mich um ein Haar einen erschrockenen Satz machen lässt. Er hat mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass er Scott für keinen passenden Umgang hält, mehr als einmal. Wie scheinheilig das angesichts seiner eigenen Vergangenheit ist, interessiert ihn ebenso wenig, wie es bei unserem Dad der Fall ist. Dabei hat der es in Scotts Alter auch so richtig krachen lassen.

 

»Es macht mir wirklich Spaß, mit den verschiedenen Künstlern zu arbeiten. Nachdem der Studiobetreiber begriffen hat, dass ich keine blutige Anfängerin bin, lässt er mich recht viel selbständig erledigen.«

 

Sienna lächelt warm. »Das freut mich sehr für dich, dann werden deine Eltern dich sicher beim Wechsel des Studiengangs unterstützen, oder?«

 

»Mhmh«, mache ich. Unauffällig linse ich erneut in die Richtung des Objekts meiner Begierde, doch zu meinem Leidwesen ist er fort. Von meinem Bruder ist ebenfalls nichts mehr zu sehen, aber warum auch? Seine Arbeit hat er getan.

So schön es war, in einer derartigen Großfamilie aufzuwachsen, neben der eigenen Verwandtschaft zig Ansprechpartner zu haben, so ätzend ist es manchmal. Insbesondere, wenn der männliche Teil deiner direkten Bluts- sowie Wahlverwandten dich in einer Tour bevormundet und glaubt, er wüsste am besten, was gut für dich ist und was nicht.

 

»Ich hole mir mal was zu trinken aus der Küche, soll ich dir etwas mitbringen?«, biete ich Sienna an, die daraufhin dankend bejaht.

Entmutigt mache ich mich auf den Weg, dass sich an diesem Abend noch eine weitere Möglichkeit ergeben wird, Scott näherzukommen, glaube ich nicht mehr. Aber vielleicht ist das auch besser so, bevor ich mich in irgendetwas verrenne, das lediglich meiner Fantasie entspringt. Männer seiner Liga interessieren sich üblicherweise nicht für Frauen wie mich. Während meine beiden älteren Schwestern Autumn und Dakota vom lieben Gott mit einer traumhaften Figur gesegnet wurden, komme ich ganz nach meiner Mom. Ein bisschen zu klein und ein wenig zu kurvig, um noch wirklich dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen. Übellaunig biege ich in den Flur, der unter anderem zur Küche führt, und renne dabei in jemanden hinein.

»Entschuldige, ich habe dich nicht ges…« Als ich aufschaue und mir klar wird, in wen ich da hineingestolpert bin, werden meine Wangen auf der Stelle heiß. »Scott«, stoße ich viel zu heiser und zittrig aus.

»Piper … wie schön, dich zu sehen. Keine Sorge, es ist nichts passiert«, erwidert er. Das warme Timbre seiner Stimme jagt mir einen heftigen, prickelnden Schauer über die Wirbelsäule hinab. Dazu registriere ich seinen männlichen Geruch, einen sicherlich teuren Herrenduft, der mich fast zu einem hingerissenen Seufzen verleitet. »Warte«, stoppt er mich, als ich an ihm vorbei und weitergehen möchte.

 

Er umfasst mein Handgelenk und bugsiert mich nach einem kurzen Check, ob der Raum frei ist, in Saints Gitarrenzimmer. Die Tür lehnt er an, doch das bekomme ich nur vage mit, viel zu sehr beschäftigt mich die Tatsache, was seine Berührung mit mir anstellt. Dort, wo seine Finger auf meiner Haut ruhen, scheint diese um einige Grad wärmer zu werden, gleichzeitig setzt ein feines Pulsieren in meinem Schoß ein und zu meinem Schreck fühle ich, wie sich meine Brustwarzen verhärten. O Gott, ein wie auch immer geartetes Nippel-Gate kann ich jetzt echt gar nicht gebrauchen! So natürlich wie möglich schiele ich an mir hinunter, zu meiner Erleichterung tut der leicht gepolsterte BH, den ich unter der Shirtbluse mit dem tiefen V-Ausschnitt trage, seinen Job.

»Ich hatte gehofft, dass wir uns hier treffen«, ergreift Scott erneut das Wort und lässt meinen Unterarm zu meinem Bedauern los. »Im Tonstudio haben wir uns bislang immer verpasst und ich hätte unsere kleine Unterhaltung gern fortgesetzt«, ergänzt er.

Mein Blick weitet sich, als mir die Bedeutung hinter diesem Satz klar wird. »Du … du wolltest .. mich wiedersehen?« Hoffentlich denkt er nun nicht, ich möchte kokettieren, denn nichts liegt mir ferner.

Nein, ich begreife bloß nicht, was er von mir will.

Scott sieht fantastisch aus, er hat wahnsinnig hellblaue Augen, dunkelbraune Haare und ein verwegenes Lächeln, mit dem er vermutlich ganze Eisberge zum Schmelzen bringen könnte.

Er ist durchtrainiert, soweit ich das beurteilen kann, dazu hat er die lässige Sexyness eines Mannes, der genau weiß, welche Wirkung er auf die Frauenwelt hat. Darüber hinaus ist er gewohnt zu bekommen, was er will, er hat diese daraus resultierende Alpha-Male-Ausstrahlung, die nicht nur mich verrückt macht, wann auch immer ich ihm begegne.

Sein Look tut sein Übriges, enge, tiefsitzende Jeans, an einigen Stellen schon zerrissen, ein dunkelgraues Shirt und eine Lederjacke, der man ansieht, dass sie viel getragen wird. Schwere Boots an den Füßen, ein paar Lederarmbänder sowie eine markante Uhr ums Handgelenk. Ganz zu schweigen von seinen Tattoos, die, glaubt man der Presse, etwa fünfzig bis sechzig Prozent seines Körpers zieren. Ich konnte bislang nur einen Blick auf einen Teil der Tätowierungen an seinen Armen erhaschen, würde aber zu gern den Rest sehen.

»Bist du fertig?« Sein amüsierter Unterton holt mich aus meiner gedanklichen Schwärmerei und mir wird siedendheiß bewusst, wie unverhohlen ich ihn gerade abgecheckt habe. »Wieso sollte ich dich nicht wiedersehen wollen?«, stellt er eine Gegenfrage, die mich automatisch in Bedrängnis bringt.

Das Letzte, was ich will, ist fishing-for-compliments betreiben, also zucke ich bloß mit den Schultern und wende mich ab. Als gäbe es nichts Wichtigeres, begutachte ich Saints diverse Gitarren, die an drei Wänden aufgereiht in ihren Ständern stehen. Sanft streiche ich mit den Fingerspitzen über den Hals der alten Fender, die mal Dad gehörte und die er ihm geschenkt hat, als er noch ein Teenager war. Ich erstarre, als ich Scotts Präsenz hinter mir spüre. Meine Nackenhärchen stellen sich auf und ich erschauere, weil er mir so nah ist, dass ich seinen Atem auf meiner Haut wahrnehme.

 

»Dein Bruder hat mir verboten, mich dir zu nähern, wusstest du das?«, fragt er leise. »Er glaubt, ich sei nicht gut genug für dich.«

 

Empört nach Luft schnappend wirbele ich zu ihm herum.

 

»Dazu hatte er kein Recht, ich bestimme immer noch selbst über mich!«, platzt es aus mir heraus.

 

Scotts Blick brennt sich in meinen und ich bin unfähig, unsere Verbindung zu unterbrechen. Wie schon die Male zuvor verliere ich mich in seinen faszinierenden Augen, in der Tiefe, dem Abgrund, der hinter der Oberfläche lauert. O Himmel, ganz offensichtlich war ich einmal zu oft in diesem Lyrik-Kurs, den mir meine Schwester Dakota empfohlen hat. Doch trotzdem … ich werde das Gefühl nicht los, dass unter der Fassade des Teufels vor mir etwas Dunkles schlummert, dem ich möglicherweise nicht gewachsen bin. Automatisch regt sich Trotz in mir. Sprechen da Saint oder Dad aus mir, die mich mit ihren wiederholten Anti-Scott-Reden allmählich kleinbekommen haben? Oder bin es wirklich ich selbst?

 

»Gut zu wissen«, raunt er und macht einen Schritt auf mich zu, der mich unwillkürlich dazu bringt, meinerseits zurückzuweichen.

 

Ja, ein nicht unbeträchtlicher Teil von mir ist in Versuchung, doch da sind auch nach wie vor die Gedanken, ob ich die Konsequenzen tatsächlich überblicken kann.

 

Außerdem bleibt die Frage, was das alles für ihn bedeutet.

 

Ich ächze, als ich mit dem Rücken gegen die Wand stoße. Scott stützt sich mit seinen Händen links und rechts von mir ab, betrachtet mich nachdenklich.

 

»Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, die Finger von dir zu lassen … einmal in meinem Leben wollte ich auf das hören, was Andere mir sagen«, gesteht er mir. »Doch fuck … ich will dich, Piper … ich will dich, seit ich dich das erste Mal gesehen habe.«

 

Er seufzt und schließt kurz seine Lider, während ich versuche, mit seiner körperlichen Nähe, aber vor allem seinem Geständnis klarzukommen. Die fehlende Distanz zwischen uns versetzt mich endgültig in emotionalen Aufruhr, die in mir hochkochende Erregung macht es nicht besser. Wäre ich mutiger, würde ich jetzt an den Kragen seiner Lederjacke greifen und ihm sagen, dass er mich küssen soll. Nein, ich würde ihn einfach küssen. Dafür fehlt mir allerdings trotz seiner eindeutig positiven verbalen sowie nonverbalen Signale das nötige Selbstvertrauen.

»Wer sagt dir denn, dass es mir ebenso geht?«, kontere ich mit einem frechen Lächeln. Kaum habe ich die Frage ausgesprochen, rätsele ich, was mich dazu bringt, so einen Mist von mir zu geben. Scott The Devil Tyler bietet mir eine Nacht mit ihm auf dem Silbertablett an und ich will ihm weismachen, ich wäre desinteressiert?! »Warum sollte ich mich darauf einlassen?«, korrigiere ich mich rasch und hoffe, ihn nicht bereits abgeschreckt zu haben.

 

»Piper, dein Körper verrät mir das mit seinen Reaktionen sehr deutlich«, antwortet er vergnügt auf meine erste Frage und neigt sich weiter zu mir hinunter. »Drei garantierte Orgasmen wären das Minimum, ehe ich dich aus meinem Bett lasse …« Nun ist seine Stimmfarbe so dunkel, dass mein Schoß sich lustvoll zusammenzieht und mein Blick auf seinen Lippen landet. »Lass uns von hier verschwinden …« Sein Mund berührt meinen, bloß ganz sacht, doch ich stehe sofort vollständig unter Strom und will mehr. »Komm mit mir …«

 

Dann küsst er mich und ich vergesse auf der Stelle all die Gründe, die für ein Nein sprächen. Dieser Kuss sorgt dafür, dass meine Welt binnen Sekunden Kopf steht, mir schwindelig wird und meine Knie weich werden. So unglaublich erotisch, verlangend und gierig bin ich nie zuvor geküsst worden. Seine Zunge tanzt sinnlich und hungrig mit meiner, gleichzeitig presst er mich mit seinem Körper gegen die Wand hinter mir. Mit einer Hand greift er an meine Taille, schlüpft unter die Shirtbluse und wandert mit den Fingerspitzen über meine Haut, versengt sie. Ich schmiege mich an ihn, lege einen Arm um seinen Hals und bete innerlich, dass er nicht aufhört, mich so zu küssen. Parallel wünsche ich mir, dass er mich berührt, überall, ich möchte endlich herausfinden, wie es ist, diese Art von weltveränderndem Sex zu erleben, von dem meine Freundinnen am College immer mal wieder geschwärmt haben.

 

»Lass uns gehen«, flehe ich förmlich, als er mich irgendwann freigibt. »Jetzt, Scott«, werde ich ungehalten, weil er einen Augenblick unentschlossen wirkt. Fast, als wäge er ab, ob er sich den Zorn meines Dads oder meines Bruders wirklich zuziehen will. »Dein Zeitfenster schließt sich.« Woher ich die Courage für eine derartige Drohung nehme, keine Ahnung. Doch sie verfehlt ihr Ziel nicht, seine Miene klärt sich und er grinst teuflisch.

»Wir treffen uns draußen, ist wohl besser, wir verlassen die Party nicht zusammen.« Nach diesen Worten küsst er mich noch ein letztes Mal, dann verschwindet er und ich bleibe allein in Saints Gitarrenzimmer zurück.

Habe ich mich tatsächlich gerade mit Scott The Devil Tyler für einen One-Night-Stand verabredet?!

Mit dem Mann, der eine Sexhistorie sein eigen nennt, die wahrscheinlich 99 % Prozent seiner Geschlechtsgenossen vor Neid erblassen lässt?!

Aber er hat mir drei Orgasmen garantiert … Minimum … bislang konnte ich froh sein, wenn überhaupt mal ein einziger für mich drin war.

Ausgeschlossen, dass ich mir das entgehen lasse.